Abdruck des nachfolgenden Artikels mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dieter Spiertz, sowie des Vorsitzenden des Eschweiler Geschichtsvereins, René Hahn.

Der Artikel erschien im Buch „Röhe“, welches der Eschweiler Geschichtsverein (Arbeitskreis Röhe) im Jahre 2011 veröffentlichte. 

Im Anhang wurden von mir die heute aktiven Vereine aus Röhe aufgeführt.

Klaus Fehr im Juli 2013 

Zur Geschichte von Röhe

Dieter Spiertz

    „Ich weiß Euch einen schönen Ort,

     Ihr findet gute Menschen dort;

     Er liegt auf luft’ger Bergeshöh

     Und ist mein liebes, gutes Röh’.

     Historisch ist zugleich das Heim,

     Man findet hier ja allerlei,

     So selt’ne Scherben, Altgestein

     Aus altersgrauer Römerzeit.“ 

So lobte 1917 ein unbekannter Röher Dichter im „Bote an der Inde“ seine Heimat, denn Röhe ist ein altes, ehrwürdiges Dorf, dessen Geschichte weit in die Vergangenheit zurückreicht. Prähistorische und römische Funde bezeugen, dass in vorgeschichtlicher Zeit hier schon Menschen gewohnt haben.  

Die heutige Ortsbezeichnung Röhe ist aus alten überlieferten Namen Ruydt, Roede, Roedt und Rühe im Laufe der Jahre entstanden und deutet darauf hin, dass der Ort durch Rodungen im Propsteier Wald entstanden ist. Da diese Rodung als einzige keinen Zusatz (z. B. Bergrath, Hehlrath) trägt, dürfte es sich um das älteste Rodungsdorf handeln und müsste demnach bereits im 10. Jahrhundert entstanden sein. Die erste urkundliche Erwähnung benannte Röhe 1346 als weidgangsberechtigt im Propsteier Wald. Vieles spricht dafür, dass der Ort aus einer Einzelhofanlage, (das spätere freiadeligen Gut von Kaldenbach, Goerdtstraße 12, 14, 17), entstanden ist. Ursprünglich Eigentum der Dompropstei Köln, wurde der Hof bereits 1406 an Daem von Kaldenbach belehnt. Von hier aus entwickelte sich der Ort allmählich zwischen den beiden alten Straßen, Aachener Straße und Römerstraße (heute Am Römerberg), zu einem Straßendorf (Nickelstraße, Goerdtstraße und Römerstraße). Als abhängige Lehnsleute hatten die Röher Bauern an das Haus Eschweiler eine Art Erbpacht (Erbe = „Erf“, daher „Auf dem Erf “, bzw. Erfstraße!) zu entrichten. Außer diesem „Großen Zehnten“ zahlten die Röher Bewohner an das Aachener Marienstift den „Kleinen Zehnten“, auch „Nona“ genannt.

Für die Viehdrift im benachbarten Propsteier Wald musste schließlich noch eine dritte Abgabe, der „Zehnte von dem Weydt“, an die Herren von Eschweiler entrichtet werden. Von Wohlstand konnte also sicher in Röhe nie die Rede sein. 

Das heutige Erscheinungsbild ist ein Haufendorf, das mit den dazugehörigen Feldern, Wiesen und Teilen des Propsteier Waldes eine Fläche von etwa 700 ha einnimmt. Die Ortsbegrenzungen sind im Norden die Orte St. Jöris, Kinzweiler und Hehlrath, im Osten die Rue de Wattrelos nach Dürwiß und Stadtmitte hin, im Süden die Bahnlinie Aachen-Köln nach Pumpe-Stich und Stolberg und im Westen Saubach und Merzbach nach Würselen. Das entspricht etwa einem Kreis mit einem Durchmesser von 3 km, wobei der Mittelpunkt die Pfarrkirche ist. Die geographische Lage ist 50° 49’ 30“ Nord und 6° 14’ 20“ Ost, und die Höhenlage schwankt zwischen 140 m ü. N.N. (Inde an der Stoltenhoffstraße) und 200 m ü. N.N. (obere Aachener Straße). 1788 lebten in Röhe laut Kirchenbuch der Pfarre St. Peter und Paul 731 Katholiken und 2003 waren es nach einer Statistik der Stadt Eschweiler 2316 Einwohner. 

In den letzten anderthalb Jahrhunderten entwickelte sich Röhe zu einem eigenständigen Stadtteil Eschweilers, der jedoch ein dörfliches Eigenleben führt. 

Aktive Röher Vereine  

Gründungsjahr           Name des Vereins       

1852                          Heimbacher Bruderschaft

1861                            MGV St. Gregorius   

1893                            Freiwillige Feuerwehr Löschzug Röhe

1895                            TFB Röhe      

1909                            Katholische Frauengemeinschaft Röhe

1922                            Trommler- und Pfeifercorps Röhe

1927                            Karnevalsgesellschaft „Onjekauchde“ Röhe

1948                            Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg Stamm „Deutschritter“ Röhe

1969                            Mai-Club Röhe

1979                            Frauenchor der Pfarre Röhe

1979                            Kinderferien- und freizeitwerk Röhe

1998                            Förderverein der Grundschule Röhe

2013                           Förderverein Sportplatz Röhe

2013                            Arbeitskreis 2 Röhe des Eschweiler Geschichtsvereins 

Alle diese Vereine haben sich unter dem Dach der Interessengemeinschaft der Röher Ortsvereine (IG) zusammengefunden. Die IG entwickelte sich dem 1951 entstandenen Vorläufer “Vereinigte Röher Ortsvereine“ und dem „Denkmalausschuss“ bis zur Gründung der IG im Jahre 1972.